Frankenstein Premiere (Rheinische Post, 2013)

Musical-Premiere für `Frankenstein´

Die deutsche Inszenierung des US-Musicals überzeugte in der Stadthalle. KLEVE "Frankenstein - das neue Musical" hat in der Stadthalle Kleve Deutschlandpremiere gefeiert. Der Veranstalter (TC Rheinberg, produziert in Absprache mit Playscript Inc.) hatte das Musical aus Amerika eingekauft, wo es bereits 2007 in New York zur Uraufführung kam. Die gelungene Übersetzung formte mit einem stimmungsvollen Bühnenbild (Nebelschwaden, Lichttechnik) und grandiosen Kostümen eine rechte Atmosphäre von Grusel, Spannung und Emotion.



Eine Leinwand, die in die Kulisse im Hintergrund integriert war, diente zur Projektion von Räumen, Landschaften und Jahreszahlen. Das Eintauchen in die Welt des jungen Wissenschaftlers Victor Frankenstein, der versucht, Macht über Leben und Tod zu erlangen, wurde lediglich durch kleine Probleme mit der Tontechnik getrübt. Die Stärke der Inszenierung war neben der gelungenen Atmosphäre die Fähigkeiten des Ensembles, allen voran der Hauptdarsteller: Stefan Haberkorn ("Frankenstein" & Regie), Thomas Placzek ("Monster" & Veranstalter) und Vera Domik ("Elisabeth" & Übersetzung). Sie überzeugten sowohl in Schauspiel als auch Gesang und zogen in den Bann von Mary Shelleys berühmter Romanvorlage. Auch Kai Lamers als Freund Henry Clerval, Annika Kleim als Gouvernante Justine Moritz und Lukas Timmler als kleiner Bruder William Frankenstein schlüpften glaubhaft in ihre Rollen.

Das Rockorchester Oberhausen bot eine solide musikalische Grundlage unter Leitung von Stephan Langenberg. Zwei Jahre Probenzeit zahlen sich aus: In einem grandiosen Schaffensprozess erwacht Frankensteins Monster aus Leichenteilen zum Leben, und voller Abscheu vor der eigenen Kreatur wendet sich dieser ab. Es wird "Fleisch und Blut und Geist", wie das Ensemble singt, möchte leben und lieben. Frankenstein jedoch will es vernichten, zündet gar sein Labor an - dch das Monster entkommt. "Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, nur verstehen" wird zur bitteren Lektion. Das Monster schwankt zwischen der Sehnsucht nach Liebe ("so klingt das Glück") und Blutrausch. Die eigene Unvollkommenheit wird zum Fluch für beide armen Seelen. Im zweiten Akt nimmt die Hetze ihren Lauf: Victor heiratet Elisabeth, doch das Monster nimmt ihm in der Hochzeitsnacht das Glück. Es übt Rache an seinem verantwortungslosen Schöpfer und lässt sich von ihm bis zur Besinnungslosigkeit verfolgen. Im ewigen Eis treffen sie letzten Endes aufeinander, dramatisch inszeniert mit der fantastischen Ballade "Die Morgendämmerung" von Placzek als Höhepunkt.

Das Monster entschwindet, den leblosen Frankenstein in seinen Armen, "Vater und Kind" vereint. Lebt man überhaupt, wenn man nicht geliebt wird - wo doch jemand, der geliebt wird, im Herzen unsterblich bleibt? Eine große Frage, großartig umgesetzt, das Ende offen - und das Publikum begeistert. Die Musik von Marc Baron setzte keine neuen Maßstäbe im Musicalgenre, aber ging ins Ohr und Herz. Ein gelungenes, modernes Musiktheater, das unbedingt mit "Frankenstein" auf Tournee gehen sollte.

(Rheinische Post, vom 25.04.2013 - von Barbara Mühlenhoff)